Sonntag, 7. August 2016

Konsumschwund

Es gab Zeiten, da kam sprichwörtlich jeden Tag ein Päckchen von Amazon. Blättere ich durch die Bestellhistorie meines Amazon-Accounts, sehe ich Jahre, in denen ich Zeug bestellt habe ohne Ende.

Glücklicherweise bietet Amazon keine Option, alle Ausgaben zusammen zu rechnen. Die Summe wäre zwar interessant aber auch erschreckend.

Amazon macht es einen auch einfach. Als Prime-Kunde klickt man etwas an und meist kommt es bereits am nächsten Tag. Das macht es einfach Bedarf zu generieren. Irgendwas viel mir spontan immer ein, was man bestellen konnte.

Es waren Zeiten in denen ich mit dem Studium fertig war und mehr verdiente als vorher. Ich hatte immer noch eine gute Sparquote, da kann man sich doch hier und da mal was gönnen.

Blättere ich durch die Bestellhistorie, sehe ich Dinge die ich nicht mehr habe. Die meisten Dinge haben den Haushalt so schnell wieder verlassen, wie sie kamen. Idealerweise bietet Amazon auch gleich die Möglichkeit die Dinge gebraucht wieder zu verkaufen.

So verdient Amazon doppelt: beim Kauf und beim Verkauf. Genial.

Mittlerweile ist die Konsumlust allerdings verschwunden. Bei jedem Ding welches ich kaufe oder plane zu kaufen, denke ich bereits nach, wie hoch der Aufwand ist, das Ding wieder los zu werden. Sei es durch Verkauf oder Entsorgung.

Die meisten Dinge brauche ich nicht, so meine Feststellung. Dinge die ungebraucht herumliegen, ärgern mich und nehmen sinnlos Platz weg.

Ich habe es letztens bei Bekannten gesehen: großes Haus, Renovierung. Schränke mussten ausgeräumt werden. Jede Menge Dinge die irgendwann mal gekauft worden sind und jetzt nur noch herumliegen. Platz wegnehmen und belasten. Selbst der Aufwand alles durchzuschauen und Dinge zu entsorgen ist zu groß. Also wird alles wieder einsortiert. All diese Dinge haben irgendwann mal mehr oder weniger Geld gekostet. Geld was weg ist und vielleicht jetzt fehlt.

Ein Tablett ist schön, aber es kann nichts was ein Notebook nicht auch kann. Dafür bedarf es ebenfalls Aufmerksamkeit in Form vom regelmäßigen Laden. Der Akku ist fest eingebaut und die Lebenszeit dadurch ebenfalls künstlich eingeschränkt. Ärgerlich.

Darauf habe ich keine Lust mehr. Eine Smartwatch? In zwei Jahren nur noch teurer Elektroschrott. Computer, mittlerweile kaum noch selbst erweiterbar oder reparierbar. Selbst Akkus werden mittlerweile in Notebooks reingeklebt.

Mein Smartphone, bereits 4 Jahre alt. Kein Bedarf an etwas neuem. Wenn es doch kaputt geht? Wahrscheinlich ein gebrauchtes.

Das Prime-Abo von Amazon leiste ich mir nur noch wegen des Streamings. Der Prime-Day bei dem dem die Arbeitskollegen wie wild Dinge bestellten: mir egal gewesen.

Natürlich erliege ich auch ab und zu noch den Konsumverlockungen. Aber meine Überlegungen sind rationaler geworden: Brauche ich das wirklich? Werde ich es langfristig nutzen? Kann man es sebst reparieren, erweitern?

Natürlich werde ich mir auch in Zukunft Dinge "gönnen". Ich bin kein Asket. Diese Dinge setze ich allerdings erstmal auf eine Liste. Nach einiger Zeit schaue ich auf diese Liste und treffe dann die Entscheidung, ob ich es mir zulege oder nicht. Viele Dinge fliegen dann bei nochmaliger Überlegung wieder von der Liste.

Das gesparte Geld packe ich jetzt in mein Depot. Da macht es mehr Freude.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen